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Veröffentlicht am 06.02.2017 von Johannes R. Buch

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Julian Sas

Frau Antje bringt Blues aus Holland

Gute, handgemachte Mucke muss ja nicht immer zwangsläufig ‚Rock’ oder ‚Metal’ heißen. Blues ist ebenso eine klasse Sache, wenn er gut gemacht. Und darauf kann man bei dem holländischen Vollblut-Bluesrocker Julian Sas (guit, voc) Gift nehmen. Mit Delivered brachte der samt seiner Band dieser Tage eine Live-Doppel-CVD heraus, die sich gewaschen hattte und bei der einigen anderen Bluesvertretern der Schnabel sauber bleiben dürfte.

Der leidige Job als Anheizer

Doch gerade in Holland hatte es der Musikus gar nicht leicht. Denn schließlich kommt richtiger Blues nur aus Amerika. „Es ist grundsätzlich für eine holländische Band in Europa nicht besonders einfach, Fuß zu fassen“, beginnt der sympathische Zeitgenosse das Gespräch. Amerikanische Musiker scheinen nach Meinung meiner Landsleute das Privileg auf Blues zu haben, so finden sich auf Bluesfestivals hier auch mehr Combos aus den Staaten denn aus dem eigenen Land. Wir Holländer dürfen die Veranstaltungen immer nur eröffnen. In Deutschland entwickelt sich der Markt allerdings mittlerweile sehr sehr gut für uns.“

„Blues For J“:

Trendland Holland

Na, Julian und seine Band wurden auf die Dauer ja auch so etwas wie eine Vorreiter-Band, durch der es weiteren Combos ein bisschen weniger schwer in Zukunft gemacht wird. Holland ist nach seiner Aussage einfach ein Trendland, in dem die Girlgroups das Sagen haben.

Schließlich schleppt man immer die Geschichte dieser unsterblichen Musik mit sich herum

Julian selbst wurde in seiner Heimat erst beachtet, als sein erstes Live-Album und somit insgesamt seine dritte CD erschien und man sich fragte, woher dieser Wunderknabe denn käme. Sich aber ausgerechnet dem Blues zu widmen, ist kein besonders leichtes Unterfangen, schließlich schleppt man immer die Geschichte dieser unsterblichen Musik mit sich herum.

„Ja sicher. Doch andererseits verfolgen wir dabei unseren eigenen Stil. Ich mag nicht nur Blues, auch Rock, Jazz und Metal höre ich mir gern an und so fließen derartige Elemente auch in den Sound mit ein. Solange gute Gitarristen mit dabei sind, höre ich mir vieles an, haha. Ich versuche, die Basis des Blues mit neuen Elementen zu kombinieren, wie es auch Rory Gallagher getan hat. Im Gegensatz zu anderen Vertretern der Bluesszene haben wir auch Fans, die aus den unterschiedlichsten Musikrichtungen kommen. Jede Musik kann ein Einfluss sein. Und solange die Mucke die Leute glücklich macht…“ fügt aber auch hinzu, dass ihn MTV und Co. gar nicht glücklich machen. „Das ist nichts für mich. Ich will Bands auf der Bühne haben.“

Einige haben danach auch angefangen, wieder neugierig zu werden

Wo bitte war Cobain ein Gitarren-Hero?

So ist´s recht – vor allem merkt man dann ganz schnell, wie weit es mit dem musikalischen Können wirklich her ist. „Maiden laufen nicht im Fernsehen, aber live treten sich vor tausenden von Leuten auf. Klar ist die Situation mit den Musiksender weniger beglückend für Mucker wie mich, wir spielen, machen, tun… aber okay. Ich sag mir dann immer ‚Julian, sei nicht frustriert’. Aber ich würde trotzdem gern mal jemanden wie eben Rory Gallagher im Fernsehen sehen.“ Wobei jetzt eigentlich von unserem Tom der Satz kommen müsste: ‚Aber auf mich hört ja keiner’.

„Kunst ist immer irgendwie das, was das Radio draus macht. Ich verstehe bis heute nicht, wo Kurt Cobain einen Gitarrenhero sein soll“, und man hört das Kopfkratzen regelrecht durchs Telefon. Gut, Kunst ist was Persönliches und die Bilder von Rembrandt mag auch nicht jeder.“ Julian gibt auch zu, dass er kaum eine Gelegenheit auslässt, um mit Leuten über Musik zu sprechen.

„A Light In The Dark“:

„Einige haben danach auch angefangen, wieder neugierig zu werden, mal etwas Neues auszuprobieren, was mich natürlich freut. Allerdings gibt es zu wenig DJs in Clubs und Radios, die etwas Neues versuchen oder spielen.“ Wie auch, wenn dieser und jener Songs so und so oft in der Stunde gespielt werden müssen und das Ganze eh zu neunzig Prozent vom Computer und nicht mehr von den ‚DJ’ gesteuert wird. Wäre eigentlich eine Idee für einen neuen Berufszweig: Computer-beim-Songs-abspielen-Zuschauerer.

Sei´s drum, wird sich auch wieder ändern, sehen wir das Ganze mal optimistisch. Wenn nicht kann man es immer noch machen wie die Jungs in ‚Airhead’ und eine Radio-Station mit Wasserpistolen und einem dummdämlichen Bandnamen kapern. Julian dürfte davon eher wenig im kommenden Jahr mitbekommen. „Wir werden 2003 sehr lange auf Tour sein. In Deutschland sind im Februar unterwegs und ab Mai bis Ende des Jahres.“ Leute, Ihr habt also genügend Möglichkeiten, Euch den kernigen Sound dieser Band zu geben.

Scheibletten:

  • Where Will it End?
  • A Smile to my Soul
  • Live
  • For the Lost and Found
  • Spirits on the Rise
  • Ragin‘ River
  • Delivered (DVD)
  • Light in the Dark
  • Twilight Skies of Life
  • Dedicat10n
  • Resurrection
  • Wandering Between Worlds
  • Aktuelle Platte: Bound To Roll

photocredit: By Achim Raschka (Own work) [CC BY-SA 3.0], via Wikimedia Commons

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